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Gemeinwohl
G
Respektvoll leben
Juni 04, 2022
Wie wollen wir leben? So intensiv wie möglich, aber so wenig invasiv für Umwelt und Klima wie notwendig … Was ist nachhaltig vegan? Wie geht ethisch fairer Konsum? Wo finde ich Gleichgesinnte? Antworten auf diese, und ähnliche Fragen geben die Profis von „pure“ in Hohenems und helfen beim Vernetzen von Gleichgesinnten. FAIRPLACE sprach mit Founder, Martin Mangeng.
So etwas wie „pure“ sollte es eigentlich schon lange geben. 2016 entstand deine Idee zum Netzwerk „pure“ – pflanzenbasiert, unverpackt, regional und ethisch. Was war die Initialzündung dafür?
Eigentlich ist die Idee zu pure ganz ursprünglich daraus geboren, da ich als Veganer immer wieder darauf angesprochen wurde, doch auch Ressourcen zu verbrauchen, Treibhausgase zu verursachen, … da ich ebenso ein Smartphone verwende, mit dem Auto fahre, evtl. Lebensmittel von weiter weg konsumiere, etc. (auch die Klimaaktivisten kennen das zu genüge). Mit dieser „wenn du es nicht perfekt machst ist es nichts wert“-Argumentation, wird die eigentliche Fakt, dass eine vorwiegend pflanzliche Ernährung die einfachste uns effizienteste Möglichkeit ist Ressourcen und somit auch Treibhausgase einzusparen*, verwässert und beiseite geschoben. Natürlich kann man sich theoretisch auch vegan ernähren und dabei nicht sehr nachhaltig konsumieren. Die meisten Veganer sind jedoch gerade deswegen vegan geworden, um nachhaltiger und vor allem ethischer zu konsumieren. Der Begriff „pure“ (also pflanzenbasiert, unverpackt, regionale & ethisch fair) bringt dabei praktisch alle Aspekte einer nachhaltigen Lebensweise in einem einfachen Wort auf den Punkt. Wobei natürlich hinter jedem Begriff noch mehr Themen stehen.
Wen sprichst du an und was können deine Kunden von dir erwarten?
Wir sprechen im Grunde alle diejenigen an, die sich in der einen oder anderen Weise für einen bewussteren, nachhaltigen Lebensstil interessieren und sich evtl. schon damit beschäftigt haben. Menschen die pure folgen, den Podcast hören und bei Veranstaltungen teilnehmen, sehe ich nicht als Kunden, sondern als eine Community. Eine Community lebt vom gegenseitigen Austausch. Das heißt, wir als pure bieten eine Plattform und Kanäle, auf der sich die Menschen einerseits informieren können, andererseits sich mitteilen und austauschen können. pure ist deshalb als gemeinnütziger Verein organisiert, bei dem jede und jeder Mitglied werden kann. Personen die uns unterstützen (tatkräftig oder finanziell), wollen wir u.a. eine vergünstigte Teilnahme an Veranstaltungen bieten. Wir bieten aber auch freie Veranstaltungen auf Spendenbasis an.
"Unser Podcast ist gut angelaufen und wir haben nach wenigen Wochen knapp 200 Abonnenten, was für einen regionalen Podcast zu diesem Thema schon nicht schlecht ist."
Martin Mangeng
Stichwort respektvolle Lebensweise. Inwieweit trägt „pure“ diesem Grundsatz Rechnung?
Wir bei pure versuchen unseren Grundsätzen so gut wie möglich und praktikabel treu zu bleiben. Natürlich benötigen auch wir Ressourcen und produzieren dabei etwas Müll. Wir sind keine Heiligen. Das ist etwas, was sehr viele am Veganismus und auch an der Zero Waste Bewegung missverstehen: Praktisch niemand lebt zu 100% rein pflanzlich, niemand zu 100% unverpackt oder regional. Dennoch ist man „vegan“ oder „zero waste“ unterwegs. Oder wie Ann-Kathrin Freude (Mitgründern bei pure sagt: „Es heißt nicht Perfektionismus, sondern Veganismus!“
Ihr bringt Menschen in Vorarlberg, dem Rheintal und der Bodenseeregion zusammen, die über ihre Ernährung oder ihre Konsumentscheidungen etwas verändern und es besser machen möchten. Welche Erfolge könnt ihr mittlerweile verzeichnen?
Da pure offiziell erst Anfang April 2022 gestartet ist und wir das alles (neben unseren Jobs) in der Freizeit aufbauen, halten sich unsere Erfolge noch in Grenzen. Dennoch haben wir schon vor dem offiziellen Start Info-Veranstaltungen organisiert, den Restaurant-Finder „vanilla bean“ für Vorarlberg aufgebaut, einige Restaurants zu pflanzlichen Angeboten beraten und dafür viel positives Feedback erhalten. Unser Podcast ist gut angelaufen und wir haben nach wenigen Wochen knapp 200 Abonnenten, was für einen regionalen Podcast zu diesem Thema schon nicht schlecht ist.
"Einen langen Atem schaffen wir durch unsere Begeisterung für die „pure Lebensweise“, was wir aus dieser lernen und damit erreichen können"
Martin Mangeng
Der Begriff Nachhaltigkeit ist mittlerweile schon ziemlich strapaziert. Wann ist für dich etwas nachhaltig?
Das stimmt, der Begriff ist einerseits strapaziert, andererseits für viele nicht greifbar und nicht praxisbezogen – weshalb wir auch lieber „pure leben“ verwenden. Nachhaltigkeit ist für mich ein Handlungsprinzip, dass dauerhaft funktioniert. Eine nachhaltige Handlung soll dabei nicht nur Ressourcen, Treibhausgase einsparen und ethisch fair sein, sondern auch einfach und praktikabel in der täglichen Anwendung.
Wenn man mit Menschen über Umwelt und Verantwortung spricht, scheint jeder bereitwillig seinen Beitrag leisten zu wollen. Geht es aber um konkretes Tun, schlafen die meisten ein. Wie schafft ihr einen langen Atem und Motivation – bei euch und anderen?
Leider ist es in unserer mit Konsum und Unterhaltung überfluteten Gesellschaft sehr schwierig geworden die Menschen zu erreichen, oder sie gar zum Tun zu überzeugen. Die Aufmerksamkeitsdauer ist sehr kurz geworden – die Ablenkung sehr hoch (da nehme ich mich selber nicht aus). Einen langen Atem schaffen wir durch unsere Begeisterung für die „pure Lebensweise“, was wir aus dieser lernen und damit erreichen können. Und genau mit dieser Begeisterung wollen wir die auch die anderen motivieren.
Wie kann man sich die Zusammenarbeit mit FAIRPLACE vorstellen?
Eines der Hauptthemen von pure ist die Regionalität und damit verbunden das Regionalitäts-Bewußtsein: was kann der Einzelne dazu beitragen, um regionale Angebote, die Wirtschaft (insbesondere kleine Unternehmungen) zu fördern? In dieser Frage ist eine Zusammenarbeit mit FAIRPLACE sicher sehr interessant. Und auch in der Vermittlung von nachhaltigen Projekte und Unternehmungen die für FAIRPLACE und uns gleichermaßen interessant sind.
Wo wollt ihr in Zukunft hin, wie sehen eure Ziele und Pläne aus?
Wir wollen und müssen erst einmal wachsen und gedeihen – unsere Community weiter aufbauen. Ein Ziel ist es, auf mehr Veranstaltungen als pure aufzutreten und auch selber mehr Veranstaltungen zu organisieren um Kontakte zu knüpfen und Menschen zusammenzubringen. Zudem wollen wir in einem eigenen Projekt „pure PRO“ auch professionelle Kontakte knüpfen, dabei u.a. die Gastronomie beraten um mehr nachhaltige Angebote zu schaffen.
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