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Bettina Stephanie Sohler
Du im Fokus
Nachhaltig
N
Das Leben spüren – mit allen Farben und Facetten
Jan. 07, 2022
Bettina Stephanie Sohler von „Du im Fokus“ im Gespräch mit fairplace über leben, lieben & lernen
Sie sind unter anderem Masseurin, Gefühlsbegleiterin und Wegbegleiterin. Haben die Menschen sich selbst oder ihren Weg manchmal verloren?
Den Glauben an die eigene Fähigkeit verloren – ja, das würde ich schon sagen. Viele Menschen kommen und möchten, dass ich ihnen sage wie sie mit den Gefühlen ihrer Kinder umgehen sollen, wie sie die Verspannungen und Schmerzen wieder loswerden. ABER wir Menschen sind glücklicherweise keine Maschinen. Es gibt immer Ursachen, warum es zu einem Beschwerdebild kommt. Und da knüpfe ich an.
"Du im Fokus möchte vermitteln, dass DU es bist, der das Leben und die Veränderung Tag für Tag in der Hand hat."
Wie kann man sich das vorstellen?
Als ich als Sozialpädagogin im Heilpädagogischen Zentrum in Hinterbrühl (NÖ) arbeitete, hatte ich sehr oft das Gefühl, dass die klassische Herangehensweise auf der Beziehungsebene oft so schwierig für Kinder und Jugendliche aus krisenhaften Erlebnissen ist, dass es sehr, sehr lange dauert, bis sie sich auf dich einlassen und Vertrauen finden, und weg von ihren negativen Verhaltensmustern mit Zerstörungswut etc. kommen können. Der körperliche Ansatz dagegen fruchtet viel schneller. Ich habe während meiner Ausbildung zur medizinischen Heilmasseurin immer wieder Inputs bei den Kindern und Jugendlichen eingebaut. Etwa: „was geschieht in deinem Körper, wenn du wütend bist…schau mal, dein Puls klopft voll heftig, dein Gesicht wird heiß, dein Herz schlägt ganz schnell…“. Außerdem habe ich immer wieder kleine Massageeinheiten eingebaut. Spannend war, dass die Kinder aus ihrem alten Muster aussteigen konnten. Sie haben sich auf die Massagezeit eingelassen auf die Berührung und auf die Zeit ohne Smartphone. Es entstanden andere Gespräche und das Interesse am eigenen Körper war groß. Sie genossen es einmal eine andere Rolle einzunehmen und abzuschalten.
Was hat Sie gedrängt „Du im Fokus“ zu gründen?
Du im Fokus habe ich 2018 gegründet, da ich das Gefühl hatte, dass ich Menschen helfen möchte. Ich möchte ihnen Rüstzeug in die Hand geben, damit sie gestärkt aus Krisen hervorgehen. So ist es möglich neuen Sichtweisen eine Chance zu schenken, und aufzustehen, wenn der Glaube schon fast verschwunden ist. Du im Fokus möchte vermitteln, dass DU es bist, der das Leben und die Veränderung Tag für Tag in der Hand hat. Auch wenn die Vergangenheit schwierig, gefährlich und heftig war, DU darfst dich weiterentwickeln und Hilfe annehmen.
Sie starten nach Ihrer Babypause im April wieder mit Behandlungen. Welche Menschen kommen zu Ihnen?
Menschen, die bereit sind mitzuarbeiten, sich auf Veränderungsprozesse einzulassen, bereit sind aus der Opferrolle herauszutreten und langsam, sanft und vertrauensvoll in Richtung Selbstliebe und Gesundung zu gehen. Frauen vor und nach der Geburt, die ihr Baby auf ihrem Bauch liegen lassen wollen, während sie massiert werden kommen genauso zu mir wie Eltern und Kinder, die gemeinsam zu einer Massage kommen wollen und ihre Beziehung dadurch stärken möchten. Aber es kommen auch Kinder, die sich nach Ruhe und Geborgenheit sehnen und einfach mal abschalten wollen. Meine Klienten sind Menschen, die Interesse am ganzheitlichen Ansatz haben. Sie möchten verstehen, was hinter ihren Beschwerden liegt. Es sind Menschen, die bereit sind den Glauben an sich selbst und die persönlichen Selbstheilungskräfte wiederzuentdecken.
Sie sagen, dass der Körper zu uns spricht. Welches sind typische Signale und wo erkennen Sie häufig Zusammenhänge?
Viele von euch kennen vielleicht das Gefühl, dass der Schmerz zu einem mehr schlechten als rechten Begleiter geworden ist. Unabhängig davon, ob es sich um Kopfschmerzen, das Ziehen und Drücken in der Bauchgegend, Rückenbeschwerden, immer wiederkehrende Halsschmerzen und Konsorten handelt. Wer hat sich nicht schon einmal gefragt, warum gerade dieses Körperteil immer wieder nach Aufmerksamkeit sucht? Es klopft sacht an, mal stürmisch, mal vehement - als unsichtbarer Gast, der aber immer die Oberhand hat…? Kommen solche Signale immer wieder, kann man sich die Frage nach der eigenen Denkweise stellen und welche Umgangsform man damit hat.
"Als medizinische Heilmasseurin massiere ich Kinder, Jugendliche und Erwachsenen. Dabei löse ich Blockaden."
Manche Menschen finden es sicher seltsam Fragen dieser Art zu stellen. Es sind ja nur lästige Beschwerden, warum denn noch mehr Zeit damit verbringen?
Meiner Meinung nach wirkt es sich äußert positiv aus, wenn man sein Denken in Bezug auf Schmerzen etwas persönlicher gestaltet. Der Körper und vor allem unser psychisches Innenleben spüren sofort, dass nun Aufmerksamkeit besonderer Art folgt und eventuell gelingt es ja, neben der manuellen Therapie oder sonstigen Herangehensweisen den Körper gesund zu halten, den Schmerz anders zu sehen und ihn im Laufe der "Bekanntschaftszeit" zu transformieren.
Welche Regionen sind besonders „mitteilsam“?
Bei Kindern ist es sehr häufig der Bauch oder der Kopf, aber auch der Rücken. Bei uns Erwachsenen aus meiner Erfahrung oft zusätzlich die Brustregion (in Bezug auf die Atmung). Der Körper zeigt uns eigentlich immer, was nicht passt und was gerade gut läuft. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es ein Lernprozess ist hinzuhören und achtsamer zu werden.
Nach welchen Ansätzen arbeiten Sie?
Als medizinische Heilmasseurin massiere ich Kinder, Jugendliche und Erwachsenen. Dabei löse ich Blockaden, berühre ihre Haut und schenke Leichtigkeit, Entspannung und Anregungen, um dem eigenen Körper wieder mehr zuzuhören. Ich selbst habe lernen dürfen, dass körperlich Beschwerden manchmal anfangs auch Helfer sein können, die sich dann aber nach und nach manifestieren also verfestigen, wenn wir nicht beginnen etwas an unserem Lebensstil zu verändern. Bei mir war das sehr lange die Übelkeit. Ich durfte lernen, wie ich sie dankbar annehmen und loslassen darf, sodass Platz für was Neues entstehen kann.
"Die Freude an der Natur, am Spüren der kalten, nassen Erde, dem kühlen Wasser, der warmen Sonne, dem eisigen Schnee."
Welche Tipps können Sie den Menschen mit auf den Weg geben?
Vertraue auf dein Körpergefühl. Wo tut es dir gerade weh? Dann berühre dich dort… schenke deinem Körper Aufmerksamkeit, hör ihm zu. Was will dir dein Schmerz erzählen? Welche Gefühle verstecken sich vielleicht dahinter? Es ist dein Körper. Ja ich bin eine Expertin für meine Themen, aber du für deinen Körper. Genau deswegen möchte ich dabei helfen, sich wieder daran zu erinnern, dass man selbst ganz viel tun kann. Ich gebe Anregungen und helfe dem Körper auf die Sprünge. Weitergehen darf aber dann jeder selbst mit Mut und Aufmerksamkeit.
Was ist Ihre besondere Leidenschaft, woran hängt Ihr Herz?
Die Arbeit mit Kindern und deren Eltern oder anderen Wegbegleitern. Die Gefühlsbegleitung von Anfang an. Die Lust und Freude am Erschaffen, kreieren, improvisieren und singen und schreiben. Die Freude an der Natur, am Spüren der kalten, nassen Erde, dem kühlen Wasser, der warmen Sonne, dem eisigen Schnee. Das Wachsen mit und an meinen beiden Kindern. Um Vergebung zu bitten, wenn ich Fehler gemacht habe, mich auf Augenhöhe mit (meinen) Kinder begegnen, Tabuthemen liebevoll und klar zu durchbrechen und neugierig auf das Leben und all seinen Wunder sein. Ich spüre gerne mit viel Intensität, das macht mein Leben als Frau, Mama und Lebenspartnerin auch so bunt.
Bettina Stephanie Sohler
Herzensbildung & Gefühlsbegleitung
für Eltern und Fachpersonen im Sozialbereich
Podcasts und Onlinekurse